Onyx Contact Force Report – Elite ohne Sicherheitsnetz
Die Onyx Contact Force ist eine Armee, die sich seit ihrem ersten Erscheinen hartnäckig in einer seltsamen Ecke des Infinity-Metas hält:
Nicht unbedingt beliebt, nicht besonders häufig gespielt – aber definitiv eine Fraktion, die trotzdem noch da ist.
Onyx ist die Antwort der EI auf die Frage:
„Wie viel Elite kann man in eine einzige Kampfgruppe packen?“
Offenbar ziemlich viel.
Wenige, aber gefährliche Modelle, die das Spiel tragen müssen – das ist Onyx. Und genau deshalb spielt sich die Fraktion anders: Jede Aktivierung zählt, jeder Verlust schmerzt.
Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob Onyx stark ist, sondern:
Was passiert, wenn man den Schlüsselmodellen den Raum gibt, den sie brauchen?
Das Arsenal der Fraktion
Onyx wirkt auf dem Papier wie eine Mischung aus Militärtechnologie, Gehirnwäsche und kollektivem Sadismus:
einiges an EI-Hightech
ein bisschen Morat-Brachialgewalt
ein wenig Shasvastii-Hinterlist
und eine gute Prise „Good Morning, TAGs!!!“
Diese kunterbunte Auswahl beschreibt die Fraktion recht gut. Sie erinnert an eine Vanilla-Fraktion, ist aber dennoch anders, da sie nicht die volle Auswahl an Einheiten besitzt. Seit N4 ist der frühere Vorteil ihrer Linkteams kein Alleinstellungsmerkmal mehr, und seit N5 gibt es nur noch wenige Einheiten, die exklusiv sind und somit einen klaren Unterschied zur Combined Army Vanilla darstellen.
In dieser Auswahl stechen einige Einheiten besonders hervor:
Unidrons
Auf dem Papier wirken sie unscheinbar: kein High-BS, keine großen Spielereien, keine offensichtliche Show. Aber genau das ist ihre Stärke. Sie sind günstig genug, robust genug und vor allem eines: hartnäckig. Dank Dogged und Remote Presence bleiben sie stehen, wenn sie eigentlich schon weg sein sollten – und fallen erst dann, wenn der Gegner wirklich Zeit und Ressourcen investiert. Das ist keine Heldengeschichte, das ist die Logik einer höheren Intelligenz.
Richtig unangenehm werden Unidrons allerdings erst im Link – und hier kommt der Nexus ins Spiel. Er macht aus einem Haufen solider Drohnen eine echte Einsatzgruppe: brauchbarer BS, flexible Profile, Hacking-Zugriff und genau so viel Kontrolle, wie man braucht. Plötzlich fühlt sich der Link weniger nach einem „billigen Core“ an und mehr nach einem Werkzeug, das den Tisch zusammenhält. Kein spektakulärer Vorschlaghammer, sondern ein präzises Instrument, das zuverlässig arbeitet und dem Gegner langsam, aber sicher den Raum nimmt.
Umbra Legates & Umbra Samaritan
Umbra Legates sind elitär, flexibel und genau dafür gemacht, dort eingesetzt zu werden, wo gerade ein Problem gelöst werden muss. Sie schießen solide, dominieren im Nahkampf und funktionieren selbst dann noch zuverlässig, wenn der ursprüngliche Spielplan längst ins Wanken geraten ist. Als Spezialisten mit Tactical Awareness bringen sie ihre eigene Order mit, arbeiten unabhängig und effizient – man muss sie nicht babysitten, sondern schickt sie los und lässt sie machen.
Die Umbra Samaritan ist der schnelle Einschlag von Onyx. Sie wird dort eingesetzt, wo etwas sofort verschwinden muss: rein, zuschlagen, weiter. Mit jedem erfolgreichen Angriff wächst ihr Druck und ihre Widerstandsfähigkeit, bis aus einem einzelnen Modell ein eskalierendes Problem wird. Je weniger Zeit der Gegner hat zu reagieren, desto gefährlicher wird sie – und genau dafür ist sie da: Tempo machen, Lücken ausnutzen und den gegnerischen Zug zerbrechen.
Xeodrons, Overdrons, Cascuda & Sphinx
TAGs sind bei Onyx kein Luxus und kein „Nice to have“, sondern ein zentrales Werkzeug. Sie können ganze Spielpläne tragen, erzwingen Aufmerksamkeit und binden Ressourcen, noch bevor der erste Schuss gefallen ist. Sobald ein TAG auf dem Tisch steht, verschiebt sich der Fokus der Partie – alles dreht sich darum, wie man mit diesem Problem umgeht. Und Onyx denkt sich dabei: „Lass das mal an vier verschiedenen Stellen passieren.“
Xeodrons verkörpern die bewegliche Seite dieser Philosophie. Sie sind schnell, überraschend agil und deutlich widerstandsfähiger, als man es ihnen auf den ersten Blick zutraut. Sie tauchen dort auf, wo man sie nicht erwartet, setzen Druck auf Flanken und Objectives und zwingen den Gegner, seine Verteidigung auseinanderzuziehen. Sie fühlen sich weniger wie klassische TAGs an und mehr wie aggressive Jäger, die ständig in Bewegung bleiben wollen.
Overdrons stehen dagegen für rohe Präsenz. Weniger Mobilität, dafür massive Feuerkraft und klar definierte Feuerlinien. Ein Overdron definiert ganze Spielfeldbereiche neu: Wo er steht, wird Raum unspielbar. Er zwingt den Gegner zu Umwegen, zu riskanten Duellen oder zu überhasteten Lösungen – und genau davon lebt Onyx.
Cascudas fügen diesem Konzept eine weitere Ebene hinzu: Überraschung. Sie sind keine TAGs, die man einplant, sondern welche, die plötzlich da sind. Ihr Erscheinen reißt Löcher in defensive Konzepte, kippt Backlines und sorgt für sofortigen Entscheidungsdruck. Eine Cascuda zwingt den Gegner, sich jetzt mit ihr zu beschäftigen – egal, was eigentlich der Plan war.
Die Sphinx schließlich ist das andere Extrem: kein lauter Einschlag, sondern schleichende Bedrohung. Sie spielt nicht über Präsenz, sondern über Unsicherheit. Solange sie nicht aufgedeckt ist, kontrolliert sie Raum allein durch ihre Existenz. Und wenn sie zuschlägt, dann gezielt, präzise und meist dort, wo es am meisten weh tut. Die Sphinx ist kein TAG, der Druck macht – sie ist einer, der Fehler bestraft.
Egal, welche Variante man wählt: Onyx nutzt TAGs nicht als Unterstützung, sondern als Spielplan. Und jeder dieser Spielpläne zwingt den Gegner zu derselben Frage:
Wie viel bist du bereit zu verlieren, um dieses Problem zu lösen?
Nach N5.2: Kleine Schrauben, große Wirkung
Onyx hat nur bei zwei Einheiten dramatische Veränderungen erhalten:
überarbeitete Profile beim Nexus
überarbeitete Profile bei den Umbra Legates
Dadurch sind beide Einheiten auf einem Niveau angekommen, das man zuvor nicht von ihnen kannte. Sie sind eine klare Bereicherung für die Fraktion und helfen dabei, besser mit modernen Einheiten mitzuhalten, ohne dabei komplett in der Vergangenheit steckenzubleiben.
Aus Sicht des Spielers: Kontrolle als Spielphilosophie
Onyx zu spielen bedeutet, das Spiel aus der zweiten Reihe zu gewinnen.
Nicht durch rohe Stärke – auch wenn sie diese durchaus mitbringen – sondern durch konsequente Entscheidungen. Es geht darum festzulegen, wo der Gegner stehen darf, welche Wege ihm genommen werden und an welchem Punkt seine Aktivierungskette bricht. Onyx zwingt den Gegner dazu, seine Züge schlecht zu planen oder sie unter Druck auszuführen.
Es ist eine Armee für Spieler, die gern Schach spielen, aber ohne Sicherheitsnetz – eine Fraktion, die dem Gegner nicht nur sagt: „Du darfst das nicht“, sondern auch klar macht: „Und wenn du es versuchst, tut es weh.“
Aus Sicht des Gegners: Die Fraktion der verlorenen Optionen
Gegen Onyx zu spielen fühlt sich selten fair an.
Nicht, weil die Fraktion zu stark wäre, sondern weil man permanent das Gefühl hat, gegen eine Armee aus einer anderen Edition anzutreten. Onyx kann früh enormen Druck aufbauen, oft noch bevor der Gegner überhaupt richtig im Spiel angekommen ist. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, mit diesem Druck umzugehen.
Hacking wird durch die Vielzahl an TAGs schnell riskant, offene Flanken rächen sich durch das elitäre Spielkonzept, und ein vermintes Mittelfeld zwingt Onyx häufig zu teuren und ineffizienten Räumaktionen. Klassisches Traden fällt ohne Warbands ebenfalls schwer. Hinzu kommt, dass Onyx viele der neueren Werkzeuge nicht zur Verfügung hat: Weder Discoballer noch verlässliche Smoke-Plattformen.
In Kombination macht das einige Missionen und Spielsituationen unnötig schwer lösbar.
Meta-Bewertung: Stabil, selten, gefährlich
Onyx spielt in der aktuellen Meta eine klare Nischenrolle im unteren Bereich. Sie ist keine Massenfraktion – kann aber interessante und gefährliche Listen hervorbringen.
Was funktioniert:
verschiedene Linkteams
gutes Hacking
flexible TAG-Optionen
Umbra in allen Varianten
starke Charaktere
Was leidet:
wenig Redundanz
keine Warbands
anfällig für Missionsdruck
Sichtschutz durch Smoke oder Discoballer ist ein Fremdwort
Onyx verzeiht nicht viel – aber sie bestraft viel.
Fazit: Die Kunst der erzwungenen Entscheidungen
Onyx ist eine kompromisslose Elitefraktion mit wenigen, aber extrem wirkungsvollen Einheiten. Ob sie noch Sinnvoll ist in der heutigen Zeit mit “Next Wave”, lässt sich streiten. Grundsätzlich spielt sie über Druck und Entscheidungen statt über Masse oder Fehlertoleranz. Fehler verzeiht sie kaum, belohnt aber präzises Spiel und gutes Timing.
Ohne Smoke, Discoballer oder günstige Trades ist Onyx nicht einfach zu führen. Wer jedoch bereit ist, Verantwortung pro Modell zu tragen, bekommt eine Fraktion, die Gegner zu schlechten Entscheidungen zwingt – und genau dadurch gewinnt.







